Ammersee

Bild des Monats Juni 2020: First Light

Eigentlich wäre ich Ende Juni wieder zu den Färöer gereist, um dort einen Landschaftsfotografie-Workshop zu leiten. Dank des Coronavirus kam es nun ja anders. Aber irgendwo musste ich hin und so habe ich gemeinsam mit einem guten Freund den Süden Deutschlands, genauer den Ammersee und das Berchtesgadener Land, als Ersatzreiseziel auserkoren. Gerade im Berchtesgadener Land, in der Region um den Königssee, war ich früher oft und kenne mich dort gut aus.

Das Bild dieses Monats ist aber während des ersten Teils der Reise entstanden, als wir zwei Tage am Ammersee verbrachten. Diese See ist ein wahres Juwel. Rundherum wechseln sich Bootshäuser und kleine Naturbäder ab und alles ist sehr sauber und gepflegt. Eine klar vom Tourismus und Freizeitbetrieb geprägte Gegend, allerdings nicht auf kitschige Art. Im Gegenteil, überall ist eine unaufdringliche und bodenständige bayerische Sachlichkeit zu spüren, die ich persönlich als sehr angenehm empfunden habe.

Aber nun zum Bild: Am ersten Morgen standen wir um vier Uhr auf, weil wir an einem Strandbad fotografieren wollten. Das Hauptmotiv, die Silhouette eines Sprungturmes, war sehr schön in Szene zu setzen. Links vom Steg, von dem aus wir fotografierten, sah ich die Bootshäuser, deren Fronten vom heller werdenden Morgenlicht in einen warmen Farbton getaucht wurden. Die verwitterten Seitenwände der Hütten kontrastierten in einem kühlen grau-braunen Farbton. Ein Motiv, das mir sofort gefiel.

Es war sehr still am See, die Wasseroberfläche war fast spiegelglatt. Nur die Vögel gaben ihr Morgenkonzert und ab und zu quäkte eine Ente. Haubentaucher kamen bis nah an den Steg heran, um dann plötzlich zu verschwinden, um auf Unterwasserjagd zu gehen und ein paar Meter weiter wieder aufzutauchen. Weiter rechts vor dem Schilf lag eine dünne, kaum sichtbare Dunstschicht über dem Wasser. Ganz rechts war der Himmel in ein helles Orange getaucht, das den kurz bevorstehenden Sonnenaufgang anzeigte.

Diese Stimmung wollte ich gerne einfangen und entschied mich für eine Langzeitbelichtung. 15 Sekunden reichten aus, um den ruhigen See völlig zu glätten. Den Himmel, der schon recht hell war, dunkelte ich mit einem Grauverlaufsfilter ein wenig ab. Ein Polfilter half, die Farben etwas mehr zu sättigen.

Hier die technischen Daten des Bildes:

  • Kamera: Nikon Z7
  • Objektiv: Nikkor Z 24-70/2.8 S
  • Brennweite: 34mm
  • Belichtungszeit: 15 Sekunden
  • Blende: 11
  • ISO 64
  • Haida M10 Polarisationsfilter
  • Haida Red Diamond GND 0.9 soft
  • Haida ND 1.8

In der Bildbearbeitung verstärkte ich die Wärme auf den der aufgehenden Sonne zugewandten Fronten der Bootshäuser ein wenig und achtete darauf, die Morgenstimmung nicht zu zerstören. Das heißt, ich akzeptierte insbesondere die dunklen Bildbereiche, denn schließlich konnte ich auch vor Ort nicht in die schwarzen Bereiche unter den Bootshäusern hineinsehen.

Es ist eine Unart, Bilder auf Teufel komm heraus so zu bearbeiten, dass es weder schwarze noch weiße Bereiche im Bild gibt. Klar, ein Durchschnittsmotiv mit einem durchschnittlichen Motivkontrast muss ein durchschnittliches Histogramm aufweisen. Aber Bilder mit hohem Motivkontrast, der entweder durch die Beschaffenheit des Motivs oder durch die Lichtsituation oder durch beides entstehen kann, werden zerstört, wenn man mit Gewalt Tiefen aufhellt und Lichter glattbügelt. Mehr Mut, Stimmungen bereits bei der Aufnahme zu fühlen, zu sehen und in der Bildbearbeitung zu erhalten und weniger Vorgehen „streng nach Rezept“ ist der Schlüssel zum funktionierenden Bild.

Gefällt Euch das Bild? Ich freue mich auf Eure Kommentare. 🙂

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